For the Love of the Game
Nach drei absolvierten Spieltagen hat die Canadian Championship bereits ihre erste klare Hierarchie ausgebildet – und die Verlierer dieser frühen Phase haben Namen, die so eigentlich niemand auf dem KO-Platz erwartet hätte.
An der Spitze grüßt Toronto FC. Mit fünf Punkten aus drei Partien, einem 2:0 gegen CF Montreal zum Auftakt und zwei anschließenden Unentschieden gegen Vancouver und Forge ist das Team von Trainer Claus das einzige im Wettbewerb, das noch ungeschlagen dasteht. Eine Tordifferenz von plus zwei und die Tatsache, dass man bislang in keiner Partie mehr als ein Gegentor zuließ, deuten auf eine Mannschaft hin, die in der Defensive bereits gefunden hat, was anderen Teilnehmern noch fehlt. Claus selbst gab sich nach dem 1:1 bei Forge nüchtern. Man habe noch keinen Pokal gewonnen, sondern lediglich die Grundlagen für die entscheidende Phase gelegt, ließ er wissen – ein Zitat, das so klingt, als wisse jemand sehr genau, wie schnell solche Tabellenführungen in einem K.-o.-Wettbewerb wieder zerfallen können.
Hinter den Torontoern liegt Vancouver Whitecaps auf dem zweiten Rang, und das ist die vielleicht überraschendste Geschichte dieser ersten Wochen. Vor dem ersten Spieltag noch als Vierter gehandelt, hat das Team von Sir Topse sich Schritt für Schritt nach oben gearbeitet. Nach der schmerzhaften 0:1-Auftaktpleite gegen Forge folgte das Remis gegen Toronto und schließlich der wilde 4:3-Sieg in Montreal, der die Tabelle endgültig durcheinanderwirbelte. Vancouver erzielt Tore in Serie, kassiert aber auch eine ganze Menge – fünf Gegentreffer in drei Spielen sind ein Wert, mit dem sich kein Trainer dauerhaft zufriedengeben kann. Sir Topse betonte trotzdem, der zweite Platz fühle sich nach dem Fehlstart wie ein kleiner Sieg an. Wer aus der Mannschaft spricht, hört derzeit vor allem ein Wort: Aufholjagd.
Auf den beiden Plätzen, die aktuell die KO-Runde verpassen würden, stehen mit Forge FC und CF Montreal ausgerechnet die beiden Teams, die in die Saison als Erster und Zweiter gestartet waren. Forge hat zwar zum Auftakt gegen Vancouver gewonnen und sich am letzten Spieltag immerhin ein Remis gegen Toronto erkämpft, doch die 2:3-Niederlage gegen Montreal kostete einen Tabellenplatz, der nun bitter fehlt. Vier Punkte aus drei Spielen wären in einem anderen Wettbewerb solide – hier, wo zwei der vier Teams die nächste Runde nicht erreichen, ist es eine Warnung.
Noch enger ist die Lage bei CF Montreal. Trainer Christian J. Schmidt musste nach dem desaströsen 3:4 gegen Vancouver einräumen, dass seine Mannschaft offensiv durchaus liefere – sechs eigene Tore sind der beste Wert im gesamten Wettbewerb –, defensiv aber Räume preisgebe, die in K.-o.-Spielen tödlich seien. Dass Montreal mit acht Gegentoren die mit Abstand löchrigste Abwehr stellt, ist statistisch nicht zu beschönigen. Schmidt kündigte an, an genau diesem Punkt anzusetzen, und verwies darauf, dass drei Punkte aus drei Spielen zwar enttäuschend wirkten, der Abstand zur Spitze mit zwei Zählern jedoch denkbar gering sei.
Sportlich liegen die vier Teilnehmer tatsächlich eng beieinander, zwischen Platz eins und Platz vier liegen lediglich zwei Punkte. Dennoch ist die psychologische Lage eine völlig andere. Toronto spielt aus einer Position der Stärke heraus, Vancouver mit dem Rückenwind der Aufholjagd, während Forge und Montreal ab sofort liefern müssen, wollen sie das Aus nicht riskieren. Die kommenden Spieltage versprechen Spannung – und für mindestens zwei Trainer auch unbequeme Fragen.